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Glasieren – Diese Gestaltungsmöglichkeiten gibt es

Mit der Formgebung und der Oberflächengestaltung kannst du das Aussehen deines Stücks gestalten. Aber für mich erhält das Stück erst nach dem Schrühbrand mit der Glasur seinen Charakter. So kannst du selbst aus einem misslungenem Drehversuch häufig noch ein schönes Teil machen. 

Heute möchte ich dir 5 verschiedene Arbeitstechniken vorstellen, die ich selbst sehr gern verwende. Natürlich gibt es sicher noch unzählige mehr und du kannst auch verschiedene Techniken kombinieren.

Abkleben

mit Washi-Tape

Wenn du Teile deines Stücks am Ende unglasiert lassen möchtest und dabei gerade Kanten bekommen willst, funktioniert das am Besten, wenn du dazu Washi-Tape oder Krepp-Klebeband verwendest.

Tipp: Wenn du sichtbare Flächen unglasiert lassen möchtest, empfehle ich Dir das Stück dann auch so zu Brennen, dass die Sintertemperatur überschritten wird. Das heißt, dass die Oberfläche auch an den unglasierten Stellen dicht ist. Matt bleiben die unglasierten Flächen so oder so!

Das Washi-Tape klebst du einfach direkt auf das geschrühte Stück und kannst es dann wie gewohnt mit Glasur bepinseln. Nachdem die Glasur getrocknet ist, ziehst du das Tape ab und erhältst wunderschön klare Kanten. 

abkleben
Abgeklebte_becher
abgeklebt
Schalen
Streifenoptik
Bezahlung
Tannentasse
Bergetassen

Kanten oder Flächen frei lassen

Mit Abdeckwachs

Sind Dir die Kanten beim Abkleben mit Washi-Tape zu gerade oder möchtest Du geschwungene Linien oder Punkte frei lassen, kannst du mit Abdeckwachs bzw. Kaltwachs arbeiten. 

Dazu zeichne ich mir die Linien zunächst mit Bleistift auf und pinsele dann mit einem feinen Pinsel den Kaltwachs auf. Dabei solltest Du darauf achten, dass die Dicke des Wachs nicht zu klein ist, im Zweifelsfall kannst du auch nach dem Trocknen eine zweite Schicht aufbringen.

Nun kannst Du dein Stück wie gewohnt bepinseln oder eintauchen. Die Glasur sollte von den mit Wachs bestrichenen Bereichen leicht abperlen.

Tipp: Wenn die Glasur auf dem Wachs liegenbleibt und nicht abperlt, solltest Du die Glasur verdünnen. Möchtest Du trotzdem einen dickeren Glasurauftrag, kannst du, nachdem der erste Auftrag getrocknet ist, noch einmal glasieren.

Auf diese Weise schaffst du es auch Glasuren nebeneinander aufzutragen ohne dass sich diese vermischen und verschwimmen. Du hast dann eine freigebliebene Linie in der verwendeten Tonfarbe dazwischen.

Der Wachs verbrennt übrigens restlos im Brennofen.

Motive malen

mit dem Malkasten

Auch aufwändige Motive kannst du auf deine Keramik malen. Dazu benötigst du einen Malkasten mit spezieller Keramikmalfarbe.

Es gibt sowohl bereits flüssige Dekorfarbe, als auch Farben, die Du erstmal aufrühren musst, genau wie man es von Wassermalfarben kennt.  Dazu tropfe ich immer ein wenig Wasser in die Farben, die ich verwenden möchte warte kurz und rühre sie dann auf. 

Achtung: Achte darauf, dass die Farbe soweit aufgerührt ist und genügend Farbpartikel am Pinsel hängen bleiben. Hier gilt genau wie beim Glasieren allgemein: Es muss eine Farbschicht auf der Oberfläche liegen bleiben. 

Du kannst entweder direkt auf die geschrühte Keramik malen, oder aber du malst auf weiße, getrocknete Glasur. Die Ergebnisse unterscheiden sich danach wofür du dich entscheidest. Ich persönlich male sehr gern direkt auf den Ton. Das hat zum einen den Vorteil, dass ich mein Motiv vorzeichnen kann, zum anderen lässt sich bei Fehlern leichter ein kleiner Teil mit einem feuchten Ohrenstäbchen wieder entfernen. Allerdings muss das Stück dann am Ende noch transparent überglasiert werden. Dies kann dann aber nicht mehr so einfach mit dem Pinsel passieren, da sonst das Motiv verwischen könnte. Ich besprühe dann mein Stück von allen Seiten mit einem Zerstäuber, was aber sehr anstrengend sein kann. Alternativ kann man die transparent Glasur auch übergießen, hier muss die Konsistenz aber perfekt stimmen!

Beim Pinseln auf weiße Glasur kommt das Glänzen von ganz allein und die Farben haben eine andere Optik. Ich empfehle dir beides mal auszuprobieren um deinen Favoriten zu finden.  

Achtung: Lass dich nicht durch die weißliche Farbe der getrockneten Malfarbe verunsichern. Die Farbe leuchtet erst nach dem Brennen.

sukkulenten
Motiv
Untersetzer
Flamingo
Schalen Kiwi und Zitrone
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Glasuren

Glasuren mischen

Vor Dem Auftrag

Wenn Du experimentierfreudig bist, kannst Du Glasuren miteinander mischen. 

Ich nehme mir dazu immer ein leeres Schraubglas und fülle zum Beispiel 2 Löffel der einen und 5 Löffel der anderen Glasur hinein. Dann rühre ich gut um und trage die Glasur auf. 

Tipp: Dokumentiere unbedingt ganz genau welche Glasuren Du in welchem Verhältnis miteinander gemischt hast, sonst weißt Du vielleicht am Ende nicht mehr, wie Du diese Tolle Farbe hinbekommen hast.

Glasuren übereinander auftragen

Nacheinander

Das ist meine absolute Lieblingsmöglichkeit!

Dabei trage ich zuerst eine Glasur auf, lasse sie gut trocknen und trage dann eine weitere Schicht mit einer völlig anderen Glasur darüber auf. 

Dadurch entstehen mitunter wunderschöne Effekte und die Glasuren wirken teilweise so, als gehen sie richtig in die Tiefe.

Tipp: Wenn Du dickere Schichten von beiden Glasuren aufträgst, erhältst du einen stärkeren Effekt. Aber Achtung: Es kann bei einem zu dicken Auftrag auch passieren, dass die Glasur zu stark läuft. Ich empfehle dir den unteren Bereich von außen frei zu lassen wenn Du dich ausprobierst, damit dein Stück nicht an der Brennplatte festklebt.

Effekte
Effekt_2
Effekt_1

Glasieren ist mir immer eine Herzensangelegenheit – ständig möchte ich neue Glasuren und Effekte ausprobieren. Deshalb finden sich in meiner Werkstatt mittlerweile auch schon über 70 Glasuren. Tendenz steigend 🤭

Ich hoffe ich konnte dich mit den erläuterten Techniken zum Ausprobieren motivieren. 

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