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Einen eigenen Brennofen anschaffen? (Teil IV) – Lieferung und Inbetriebnahme.

Zu Beginn des neuen Jahres hast Du bestimmt auch überlegt was das nächste Jahr so bringt und was Du in diesem Jahr machen oder erreichen möchtest. Vielleicht hast Du Töpfern als tolles Hobby kennengelernt und überlegst dir einen eigenen Brennofen anzuschaffen.

Angenommen Du hast dich für einen Ofen entschieden – wie geht’s weiter? Die Lieferung des Brennofens ist schon eine richtig spannende Sache, denn er ist groß und schwer! Einige Dinge gibt es dabei zu beachten und bevor du das erste Mal deine Keramik im eigenen Ofen brennen kannst, musst du noch ein paar Dinge erledigen.

Dieser Artikel ist in einer Kooperation mit KITTEC entstanden. *

To-Do-Liste vor dem ersten Keramikbrand

Was gibt es bei der Lieferung des Ofens zu bedenken und zu wissen?

Mitunter können die Lieferzeiten von Keramikbrennöfen recht lang sein. Wahrscheinlich musst du dich 1-2 Monate gedulden. Ein genaueres Zeitfenster erfährst du natürlich bei Bestellung.  

Der Ofen wird in der Regel mit einer Spedition zugestellt. Ich wurde bei beiden Öfen einige Tage vor Lieferung informiert und konnte den exakten Liefertermin noch individuell festlegen. Am Tag der Lieferung bekam ich dann ca. eine halbe Stunde vorher nochmal einen Anruf. In beiden Fällen hat die Lieferung völlig unkompliziert geklappt – pünktlich und ohne Schäden.  

Achtung: Du musst direkt bei Lieferung überprüfen, ob der Ofen in einwandfreiem Zustand ist und darfst nur in diesem Fall die Lieferung auch annehmen. 

Die Lieferung mit der Spedition erfolgt bis zur Haustürkante. Stell unbedingt sicher, dass du genügend starke Männer und Frauen hast, die Dir helfen deine Neuanschaffung an Ort und Stelle zu bringen, denn der Ofen ist kein Federgewicht! 90 Kilogramm bringt mein neuer Ofen auf die Waage. Das Gewicht deines Ofens findest du zusammen mit allen anderen Details auf dem Datenblatt oder in den technischen Informationen bei der Bestellung.  

Noch ein wichtiger Hinweis: Achte vor Bestellung auf die angegebenen Außenmaße des Ofens. Nicht selten kann eine kleinere Tür auf dem Weg zum finalen Standort ein richtiges Problem werden. Zum Glück hat bei mir das Ausbauen der Türzarge die nötigen Zentimeter freigegeben.  Sollte der Ausbau der Türzarge nicht möglich sein, wäre es ggf. sinnvoll einen teilbaren Ofen zu bestellen, der wegen seiner Teilbarkeit durch jede Tür mit 50 cm Breite passt. 

Was muss ich bei der Aufstellung des Ofens beachten?

Bei der Aufstellung des Ofens musst du, wie bereits bei den Vorüberlegungen zur Anschaffung des Ofens erwähnt, unbedingt die Mindestabstände (zu Wand und Decke) einhalten. Die für deinen Ofen gültigen Angaben findest du in der Betriebsanleitung, die zusammen mit dem Ofen geliefert wird. In der Regel gilt: seitliche Abstände von mindestens 20 cm einhalten, bei brennbaren Stoffen wie Holz oder ähnlichem mindestens 1 m Platz lassen. 

Wie wird der Ofen angeschlossen?

Wenn nicht bereits geschehen, sollte der Starkstromanschluss von einem Elektro-Fachmann geprüft werden. Je nach Modell brauchst du den exakt passenden (Starkstrom-) Anschluss. Der Stecker des Ofens wird dann einfach eingesteckt. Achtung: Pass unbedingt auf, dass der Stecker komplett eingesteckt ist! Insbesondere Starkstromstecker sind manchmal sehr schwergängig. Steckt der Stecker nicht komplett, kann es sein, dass der Anschluss zwischenzeitlich keinen Kontakt hat und dein Ofen nicht, oder nur teilweise funktioniert. Die Steckdose für deinen Ofen sollte direkt in der Nähe des Ofenstandorts sein, denn Verlängerungskabel darfst du nicht verwenden. Generell ist es auch möglich den gewünschten Ofen gegen geringen Aufpreis mit einem längeren Anschlusskabel zu bestellen.

Welche Vorbereitungen braucht es vor dem ersten Brand?

Super, es ist geschafft. Dein Ofen steht am gewählten Standort, Sicherheitsabstände sind eingehalten und der elektrische Anschluss ist geprüft. Wie geht es weiter? 

Bevor du erstmalig Keramik brennen kannst, muss der Ofen eingebrannt werden. Bei diesem ersten Brand bildet sich eine schützende Korrosionsschicht auf den Heizwendeln.  

Du kannst bei dieser Gelegenheit auch deine Ofenplatten und Stützen gleich mit einbrennen. So gehst du am besten vor: 

Platten mit Trennmittel bestreichen

  • Prüfe die Brennplatten auf Defekte, indem du gegen die Platte klopfst. Lausche dem Klang. Beschädigte Platten klingen nicht. In diesem Fall solltest du sie sofort reklamieren. Die Brennplatten lege ich zur Behandlung mit dem Trennmittel immer auf die beim Transport verwendeten Stofftücher. Diese hebe ich auch für die Lagerung der Brennplatten auf. 
  • Behandle deine Platten mit Trennmittel. Das Plattentrennmittel, welches hauptsächlich aus Kaolin besteht wird in der Regel mit dem Brennzubehör zusammen geliefert. Das Pulver wird dann, entsprechend der Angabe, mit Wasser flüssig angerührt und die Platten werden einseitig bepinselt. 
  • Bei der Konsistenz könnt ihr euch in etwa an Glasur orientieren. Habt ihr damit keine Erfahrung: Beim Auftrag des Plattentrennmittels mit dem Pinsel, sollte sich dieses gut auftragen lassen und nicht so schnell trocknen, dass es direkt bröselt. Trocknet das Plattentrennmittel so schnell, dass du keinen gleichmäßigen Auftrag schaffst, kannst du ganz wenig Wasser hinzufügen und es nochmal probieren.

Zu dickflüssig: Kein gleichmäßiger Auftrag möglich. Trennmittel trocknet zu schnell.

Richtige Konsistenz: Gleichmäßig dicker Auftrag möglich. 

  • Ganz wichtig ist, dass du die Platten vollständig durchtrocknen lässt! Erst dann kannst Du sie im Ofen mit einbrennen.

Wie funktioniert der Einbrand des Ofens?

Wenn die Brennplatten gut durchgetrocknet sind, kannst du den Ofen für das Einbrennen beladen.  

Folgende Dinge gelten ganz allgemein für das Beladen des Ofens:

  • Ganz unten verwendest du immer die kleinen Cordierit-Klötzchen und darauf kommt die erste Brennplatte.  
  • Arbeite immer mit einer Dreipunkt-Auflage. Das bedeutet, dass du immer genau drei gleichgroße Stützen verwendest und darauf dann die neue Brennplatte platzierst. Drei Stützen haben die beste Stabilität. Denn so kann nichts kippeln. Das gilt auch für Öfen mit viereckiger Grundfläche. Hier musst du beim Beladen etwas vorsichtiger vorgehen, damit der Schwerpunkt immer in der Mitte liegt und die Platte beim Beladen nicht kippt. Außerdem sollten die Stützen immer übereinander platziert werden. Die Stützen für die zweite Ebene kommen also genau über die Stützen der ersten Ebene. Auf diese Weise hat die Platte die geringsten Spannungen. 
  • Die Brennplatten werden so herum eingelegt, dass die mit Trennmittel behandelte Seite nach oben zeigt. 

Beim Einbrennen deines Ofens stapelst du nur die Brennplatten und alle Brennstützen sowie Zubehör ein. Keramik soll noch nicht mitgebrannt werden. 

Die Brennkurve zum Einbrennen unterscheidet sich grundlegend von den sonst verwendeten Einstellungen. Bei meinen Öfen wurden folgende Einstellungen empfohlen:

  • 80 °C/h bis 600 °C 
  • Maximale Aufheizrate bis 1200 °C 
  • 60 min Haltezeit 

Aber auch diese Empfehlung für die Einbrennkurve findest du in der Betriebsanleitung deines Ofens. 

Herzlichen Glückwunsch – wenn Du alle oben genannten Punkte erledigt hast, steht dem ersten Keramikbrand nichts mehr im Wege. Auf die Einstellung der Steuerung werde ich noch ausführlicher eingehen. Was du bei Schrüh- bzw. Glasurbränden beachten musst, habe ich bereits in einem früheren Beitrag erläutert.

* Da ich mich bei meinem ersten Brennofen für einen KITTEC Eco 70 S entschieden hatte und mit diesem sehr gute Erfahrungen gemacht habe, habe ich für diesen Blogbeitrag direkten Kontakt zur Firma KITTEC aufgenommen.

Mittlerweile habe ich mir sogar einen zweiten KITTEC Ofen angeschafft: Der KITTEC CB 120 S ist deutlich größer und bietet mir noch mehr kreative Freiheit.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Regina

    Das finde ich toll, dass du mit deinem Ofen so zufrieden warst, dass du dir wieder die gleiche Marke bestellt hast. Wie lange hattest du denn deinen Eco 70? Hast du mit dem auch dauerhaft 1250° gebrannt?

    1. Claudia

      Hallo Regina,
      den ECO 70S habe ich Ende 2019 bestellt. Gerade habe ich nochmal im Brennprotokoll nachgeschaut: 120 Mal habe ich mittlerweile in etwa gebrannt, dabei gemischt Schrühbrand und Glasurbrände bei 1050°C, 1150°C und 1250°C, wobei ich wirklich ein Liebhaber des Hochbrands bin und von Anfang an regelmäßig im Hochbrand gebrannt habe.
      Bis jetzt läuft das gute Stück ohne Einschränkungen und erreicht im Hochbrand wie gewohnt seine Temperaturen.
      Einmal hatte ich eine Fehlermeldung und dachte schon eine Heizwendel wäre gebrochen. Tatsächlich war ich aber selbst Schuld. Der Starkstrom-Stecker war sehr schwergängig und steckte nicht tief genug, weshalb einer der beiden Heizkreise nicht angesteuert wurde. Nochmal mit aller Kraft nachgeschoben und seitdem alles schick 🙂
      Beste Grüße
      Claudia

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